Pfosten

Der schwarze Gehwegpfosten stand schräg. An der, der Strasse zugewandten Seite hatte er Dellen und Kratzer. Lack klebte an den Dellen. Der mattschwarze Gehwegpfosten war angefahren worden. Er tat mir leid, wie er da hing. Mit seinen Dellen und Kratzern sah er traurig aus. Als ob er den Kopfhängen lassen würde. Der traurige, mattschwarze Gehwegspfosten sah im Lichte der untergehenden Sommersonne so und erbärmlich aus, dass ich nicht anders konnte als zu ihm zu gehen um zu schauen ob ich ihn nicht gegen alle Erwartung aufrichten könnte. Bei ihm angekommen, strich ich mit den Kuppen meiner Finger über seine klaffenden Wunden. Die glatte, aber dennoch unebene Oberfläche des Pfostens wechselte sich ab mit den scharfen Kanten und den tiefen furchen seiner schrecklichen Erfahrung. Warm, angenehm warm, war der traurige, mattschwarze Gehwegspfosten. Ich stellte mir vor, wie es für den Pfosten gewesen sein musste, als er angefahren wurde. Er hatte es bestimmt kommen sehen. Das Auto, das langsam aber unaufhaltsam auf ihn zu rollte. Immer wieder stoppte es und dennoch rollte es immer wieder ein Stück näher. Bestimmt hatte er versucht es zu verhindern, aber was sollte ein Pfosten denn schon groß machen? Er war ja nur ein Pfosten. Kräftig drückte ich ihn, um ihn wieder aufzurichten, doch vergebens. Ich versuchte es mehrmals, so stark, dass meine Hände anfingen zu schmerzen, doch der Pfosten bewegte sich kein Stück. Zurücklassen musste ich ihn. Und so steht er noch heute da, als Mahnmal einer kleinen Unaufmerksamkeit. Traurig, mattschwarz, manchmal warm, manchmal kalt.  unbewegt seit dem Erlebnis, welches seine Welt erschütterte.

2 Responses to “Pfosten”


  1. 1 michipichi

    Dramatisch!

    Gut geschrieben, aber finde ich deinen englischen Style besser.

  2. 2 Conrad

    So still hier plötzlich…?

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